Die Sonne scheint…

… irgendwo auf den Färöer Inseln, nur nicht dort wo wir gerade sind.

Mit der Fähre fahren wir nach Mykines. Es ist trocken, stellenweise sogar sonnig. Wir freuen uns. Auf der Insel soll es unglaublich viele Puffins geben. Das wollen wir natürlich sehen. Auf unseren bisherigen Reisen ist uns noch kein Puffin über den Weg gelaufen (nicht Mal in Island). Die Überfahrt nach Mykines dauert 40 Minuten. Die Fahrt geht ganz nah vorbei an den bekannten Felsformationen Drangarnir und Tindholmur. Nachdem unsere Wanderung dorthin gestern in’s Wasser gefallen ist ein mehr als gleichwertiger Ersatz dafür.

Kaum auf Mykines angekommen fängt es leicht an zu nieseln. Wir haben ja gestern gelernt, rechzeitig die Regenhosen anzuziehen. Kaum haben wir uns Regenfest eingepackt, kommt auch schon ordentlich Regen herunter. Irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt. Aber gut. Jetzt erstmal los gehen. Schließlich wollen wir zum Leuchtturm wandern (wie vermutlich alle anderen die auf dem Schiff waren auch). Zunächst geht es den Bergrücken entlang. Über Gras, stellenweise etwas ausgetreten und dementsprechend matschig. Links von uns zum Meer hin abfallende Wiesen, gespickt mit Schafen, rechts von uns steil abfallende Klippen mit Seemöwen.

Dann geht es bergab. Über felsige Stufen. Ein Drahtseil bietet halt. Eigentlich ein schöner Weg, nur dank des Regens sehr rutschig und matschig. Weiter unten am Hang sehen wir die ersten Puffins. Kaum fünf Meter sitzen die kleinen Vögel mit ihren leuchtend orangen Schnäbeln von uns entfernt. Vermutlich schauen sie uns genauso neugierig an wie wir sie. Die kleinen Vögel mit dem weißen Bauch und den orangefarbenen Patschefüsschen sind echt putzig. Mit ihrem schwarz-weißen Gefieder und der stolz heraus gestreckten Brust wirken sie irgendwie sehr elegant, sobald sie sich bewegen wirkt es aber irgendwie tollpatschig.

Den Hang hinab gibt es immer wieder Höhlen in denen sie nisten und brüten. Schon die Landung eines Puffins in seiner Höhle ist lustig anzusehen. Wir gehen weiter (rutschen trifft es eher) den Grashang hinab zu einer Eisenbrücke. Es tut gut kurz Mal auf der Ebene zu laufen. Die Brücke verbindet die beiden Inseln von Mykines. Auf der anderen Seite gibt es einen Rundweg zum Leuchtturm. Der Weg ist einfach zu laufen. Allerdings regnet es noch immer ziemlich. Mittlerweile sind wir tropfnass, den Foto holen wir nur zu besonderen Highlights aus dem Rucksack. Normalerweise hat man vom Leuchtturm eine schöne Aussicht. Heute hängen die Wolken eher tief. Trotzdem – „wie am Ende der Welt“ fühlt es sich schon ein wenig an. Nur nasser.

Der Rückweg von der Brücke den Grashang hinauf ist etwas beschwerlicher, da man kaum noch halt findet. Wir sind froh an unseren Wanderschuhen und fragen uns, warum man so eine Tour mit Turnschuhen macht.

Oben angekommen sehen wir nochmal toll auf den Felsen mit den vielen Puffins. Diesmal fast ohne Regen. (Ja – man glaubt es nicht, nach drei Stunden fühlt sich Nieselregen schon echt trocken an.) Die Vögel schütteln sich und lockern ihr Gefieder, dann stürzen sie sich in die Tiefe. Sie segeln nicht wie beispielsweise Möwen, sondern schlagen bis zu 400-hundert mal pro Minute mit ihren kleinen Flügelchen.

Die Wolken lichten sich nach und nach. Tropfnass kommen wir im Ort an. Und dann passiert das Unfassbare. Die Wolkendecke reißt auf und die Sonne kommt heraus. Blauer Himmel mit Schäfchenwolken. Und natürlich kommt jetzt unsere Fähre und wir müssen Abschied von der Vogelinsel nehmen.

Auf Vagar erwarten uns dann wieder Wolken. War ja irgendwie klar.

Zurück in unser Unterkunft drehen wir erstmal die Heizung auf und legen die Klamotten trocken aus. Eine Tasse Tee zum warm werden und die Welt sieht gleich besser aus. Sagt auch der Blick nach draußen. Also ziehen wir uns nochmal an für einen kurzen Abstecher zum „Hexenfinger“ – einem markanten Felsen auf Vagar. Der Ausblick auf die umliegenden Inseln ist – wow! (Oder wie der Amerikaner hinter uns sagt: „majestic“). Die Natur hat hier Wunderbares geschaffen. Und sie tut es weiter: wir sehen noch einen Regenbogen über dem Hexenfinger. Ein wunderbarer Abschluss für den heutigen Tag.

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Tipp: Fähre nach Mykines frühzeitig vorbuchen. Zur Erhaltung und zum Ausbau der Wege wird nun eine Wandergebühr (hiking fee) verlangt. Die 100 Kr Wandergebühr pro Person nun auch online bezahlen.

(Wanderung: 120 Höhenmeter, 7,5 km)

  Von Dorf zu Dorf Wolkenspiel - Färöer und das Wetter