Isländische Straßenverhältnisse

Eine der großen Fragen bei der Reiseplanung für den Island Roadtrip war die Wahl des richtigen Autos. Als autobahnverwöhnter Mitteleuropäer war es schwer vorstellbar, in einem normalen PKW mit 80 km/h über eine nicht befestigte Schotterpiste zu fahren. Also, sicherheitshalber lieber doch gleich zu einem allrad getriebenen Geländewagen greifen? Mit denen könnte man immerhin auch gleich die F-Pisten im Hochland befahren, die für normale PKW strengstens verboten sind. Und bei denen es auch gar keinen Sinn macht, diese mit einem normalen PKW zu befahren. Wären da nicht etwas gewöhnungsbedürftigen isländischen Mietpreise für 4×4-Geländewagen. Also haben wir uns für den Großteil der Reise (einmal rund um die Insel herum) für einen PKW entschieden und erst die letzten paar Tage haben wir uns einen Geländewagen genommen, um damit nach Landmannalaugar zu fahren.

Und man musste sich manchmal echt wundern, welche Pisten man mit einem normalen PKW befahren kann.

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Eine der wichtigsten Straßen in Island ist die Ringstraße No. 1. Sie führt einmal rund um die Insel und ist, bis auf ein paar Kilometer im Osten der Insel, auch schon durchgängig geteert. Folgt man der Ringstraße einmal um die Insel kommt man an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Island vorbei. Für eine komplette Umrundung sollte man sich allerdings schon zwei bis drei Wochen Zeit nehmen. Denn auch abseits der Ringstraße gibt es viele schöne Orte zu entdecken.

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Die reizvollsten Straßen findet man natürlich im isländischen Hochland, die sogenannten F-Pisten. Diese Pisten dürfen nur mit allradfähigen Geländewägen befahren werden. Alles andere würde auch keinen Sinn machen: der Abstecher in’s Hochland mit einem normalen PKW wäre spätestens nach ein paar Kilometern wieder beendet. Für unseren ersten Abstecher in’s Hochland zur Askja haben wir uns einer geführten Tour angeschlossen. Jonas, unser Guide, hatte ein für dieses Terrain passendes Auto: 8 Zylinder, knapp 6 Liter Hubraum und 520 PS. Damit kann man Spaß haben. Und den hatte Jonas auch spürbar. Wie gern wäre ich selber vorne am Steuer gesessen

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Da Brücken im Hochland eher selten anzutreffen sind, muss man Flüsse, welche den Weg kreuzen, vorsichtig furten. Da sich die Gegebenheiten an den Furten jederzeit ändern können, ist hier einiges an Erfahrung sehr hilfreich. Mittein in einer Furt stecken zu bleiben ist doch ein eher feuchtes „Vergnügen“.

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Das letzte Stück auf dem Weg zum Vulkan-Krater haben wir dann auf Schnee zurück gelegt. Als wir heute morgen von der geteerten Ringstraße auf die Hochland-Piste abgebogen sind, hat Jonas das erste Mal den Reifendruck verringert. Als wir nun von der Piste auf den Schnee gefahren sind, hat er den Druck nochmals reduziert. Wir haben uns kurz gefragt, wie er den Druck wieder in die Reifen bekommen will. Dachten uns dann aber: Der macht das ja nicht zum ersten Mal. Und siehe da: Er hatte einen Kompressor im Kofferraum, mit dem er auf dem Rückweg die Reifen wieder aufgepumpt hat.

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Auf dem Rückweg hat sich das Wetter schlagartig geändert. Die Sonne war weg, die Sicht war auf einmal gelblich neblig und als wir ausgestiegen sind wurden wir sandgestrahlt: Wir befanden uns in einer der größten Wüsten Europas und ein Sandsturm war aufgezogen.

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Zurück auf der Ringstraße ging es weiter in den Norden von Island, immer an der Küste entlang.

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Als wir in den Westen von Island kommen, legen wir das erst Mal wirklich lange Strecken auf Schotterpisten zurück. An einem Tag knapp 200 km. Fährt man anfangs noch sehr vorsichtig, versucht das Auto um jedes Schlagloch so gut es geht herum zu zirkeln, so gewöhnt mal sich alsbald an den isländischen Fahrstil und stellt fest, dass selbst ein Tempolimit auf 80 km/h für Schotterpisten manchmal doch zu langsam sein kann. Und es gar nicht so schlimm ist, wenn man mit 80 Sachen über Schlaglöcher drüber fährt. Immer im Hinterkopf, dass man ja nicht mit dem eigenen Auto unterwegs ist.

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Am Ende unserer Island-Rundreise gönnen wir uns dann für ein paar Tage doch noch einen 4×4 Geländewagen um damit nach Landmannalaugar zu fahren. Das Fahr-Erlebnis ist der Hammer. Fährt man anfangs noch verhalten und versucht, das Auto kennen zu lernen, kommt schnell das Zutrauen in den Allrad-Antrieb und man genießt die Fahrt einfach nur noch. Da wir sehr früh aufgestanden sind, haben wir die Piste noch fast für uns alleine. Eine unvergessliche Fahrt. Sicherlich eine der schönsten, die ich bis dahin jemals gemacht habe.

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Mit der Zeit geht auch das Benzin im Auto zur Neige. Tankstellen sind in manchen Regionen Islands eher spärlich gesät. Aber auch im Hochland schadet es nicht, zumindest ein paar Zapfsäulen in die Landschaft zu stellen. Für verwöhnte Mitteleuropäer, die gerne beim Tanken noch einen Cappuccino mitnehmen, mag das zwar sehr spartanisch erscheinen. Aber wenn sich die Tankanzeige dem roten Bereich nähert, ist man doch sehr froh, wenn scheinbar aus dem Nichts zwei Zapfsäulen auftauchen.
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Also, wenn ihr nicht selber in’s Hochland fahren wollt, ist ein „normaler“ PKW in der Regel ausreichend. Auch wenn’s mit einem Geländewagen sicherlich mehr Spaß macht und komfortabler ist.

  Buchten des Südens Sommertage auf den Lofoten