Ein wunderbarer Plan B – Zu den Tama-Seen im Tongariro Nationalpark

„… Unter den aktuellen Bedingungen empfehlen wir euch, nur mit einem Guide das Tongariro Crossing zu machen. An einigen Stellen benötigt ihr Eisäxte und Steigeisen um über den Schnee und das Eis zu kommen …“

Das war die Quintessenz einer Antwort des Tongariro Nationalparks auf unsere Frage, ob wir am Wochenende das Tongariro Crossing laufen könnten.
Nun ja, da wir gerade weder eine Eisaxt noch Steigeisen dabei haben, begraben wir den Plan auf dieser Reise das Tongariro-Crossing zu laufen leider ganz schnell wieder (das geht auch ohne Eisaxt). Der Neuseeländische Winter war wohl dieses Mal recht hart und lange und selbst in der letzten Nacht gab es noch Neuschnee oben auf den Vulkanen, sodass das Crossing fast nicht begehbar ist. Eine Rangerin des DOC hat uns als Alternative die Wanderung zu den Tama-Seen vorgeschlagen. Die beiden Tama-Seen liegen zwischen den Vulkanen Mount Ngauruhoe (aka Mount Doom aus der „Herr der Ringe“ – Trilogie) und Mount Ruapehu. Über 17 km laufen wir also durch großartige Natur. Ständig begleitet von einem beißenden Wind (da sind sie wieder, die Westerlies), der immer mal wieder kurz nachlässt, um dann aber gleich wieder aufzufrischen. Aber die Wanderung werden wir so schnell nicht vergessen.

Als wir morgens loslaufen, liegen noch dunkle Wolken über dem Tongariro Nationalpark. Nur vereinzelt geben die Wolken den Blick auf den symmetrischen Krater des Ngauruhoe frei. Meistens ist er hinter dicken Wolken versteckt, die durch die Hochebene ziehen. Vom Mount Ruapehu dringen dumpfe Donnerschläge zu uns durch. Es keimt kurz die Hoffnung auf, mal direkt bei einem Vulkanausbruch vor Ort zu sein (auch wenn’s im Ernstfall fast ein bisschen zu nah dran wäre…). Aber vermutlich sind es einfach nur Lawinen-Sprengungen um den Neuschnee gezielt in’s Tal zu bringen (vor uns sind einige Autos mit Skiern oder Snowboards auf dem Dach unterwegs gewesen. Die Wintersaison ist wohl noch nicht vorbei).

Der Weg schlängelt sich erst durch dichten Wald immer an einem kleinen Fluss entlang hoch zu den Taranaki Falls. Die Wasserfälle fallen schön von einer Felskante hinunter in ein kleines Becken.

Nach dem Wasserfall öffnet sich die Umgebung und die weite Hochebene zwischen den beiden Vulkanen breitet sich aus. Der Blick auf den Ruapehu ist jetzt fast frei von Wolken. Sein Gegenüber versteckt sich immer noch. Wir wandern auf bestens präparierten Wegen leicht bergan … direkt in die Wolken hinein. Zwischenzeitlich ist die Sicht mal so gut wie nicht vorhanden, aber wie wir die letzten Tage gelernt haben, ändert sich das Wetter im neuseeländischen Frühling im Stundentakt. Und da wir noch gut drei Stunden bis zu den Seen haben, sind wir recht zuversichtlich, dass das Wetter auch dieses Mal auf unserer Seite sein möge.

Je weiter wir laufen, umso besser wird die Sicht auf die beiden Vulkane. Der dritte große Vulkan des Nationalparks, der Tongariro (welcher dem Nationalpark auch seinen Namen gegeben hat), liegt direkt hinter dem Ngaurohe, sodass wir diesen gar nicht zu Gesicht bekommen.

Nach knapp zweieinhalb Stunden kommen wir am unteren Tama See an. Das satte Blau des Sees passt wunderbar in die Farben der Landschaft. Es bildet einen schönen Kontrast zwischen dem Weiß der Vulkane und den braungelben Büschen und Gräsern der Hochebene.

Zum oberen Tama-See wollten noch ein paar Höhenmeter erklommen werden. Aber diese haben sich sowas von gelohnt. Die Lichtverhältnisse waren zwar nicht optimal und die Westerlies liefen zur Höchtsform auf … aber der Blick auf den Ngaurohe war nun fast frei von Wolken. Was uns in der ganzen Szenerie doch irgendwie etwas irritiert hat, waren die Jungs und Mädels, die bei geschätzten 4 – 8 °C und Windgeschwindigkeiten um die 50 – 60 km/h in kurzen Hosen unterwegs waren. Aber immerhin hatten die meisten davon einen Kapuzen-Pulli an und liefen nicht nur im T-Shirt herum.

Wieder zurück beim unteren Tama-See suchten wir uns eine windgeschützte Ecke (nun ja, es blieb bei der Suche …) und warteten ein wenig, bis die Sonne kommen möge und für besseres Licht sorgen würde. Eine fast kreisrunde Wolke hielt sich schon die ganze Zeit hartnäckig über der Hochebene und konnte selbst von den Westerlies nicht vertrieben werden. Gegen Nachmittag aber war es dann endlich soweit: Die letzten dunklen Wolken lösten sich in Fetzen auf und die Sonne tauchte die gesamte Hochebene in warmes Licht. Und: Der Wind ließ nach.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte zum Schmunzeln:
Vermutlich ging es um Instagram. Jedenfalls war da dieses Pärchen in schicken Outdoor-Klamotten. Die Wege zu den Seen waren wie oben beschrieben in einem richtig guten Zustand. Das war wohl für ein authentisches Foto zu wenig Drama. Also biegt der Bursche mit seinen Wanderstöcken ab in die Büsche und läuft energischen Schrittes dem Vulkan entgegen. Gefolgt dem Mädel, welches das Ganze mit dem Smartphone festzuhalten versucht.
Und dabei war die Landschaft alleine schon so traumhaft, dass da eigentlich gar kein künstliches Drama notwendig gewesen wäre. Und das Tongariro Crossing steht schon auf der Liste für die nächste Neuseeland-Reise … dann vermutlich im neuseeländischen Sommer.

Zurück in Taupo bietet der Sonnenuntergang über dem Lake Taupo nochmals einen Blick zurück auf den knapp 60 km entfernten Tongariro Nationalpark mit dem Vulkankegel des Mount Ngauruhoe.

  Heiße Erde - Vulkanismus zwischen Rotorua und Taupo Leuchttürme an der Ostküste