ZeitReisen

Oktober 2019. Wir brechen zu einer unserer bisher längsten Reisen auf. Es geht nach Neuseeland. Ein paar Wochen sind sicherlich nicht zuviel Zeit für beide Inseln, aber hoffentlich genügend Zeit um viel zu sehen und den Roadtrip genießen zu können. Kurz davor waren wir auf den Faröer Inseln. Dazwischen noch in Südtirol. Wie bei so vielen von uns gehörte Reisen einfach dazu. Nach der Reise war vor der Reise, wenn man nicht unterwegs war hat man die anstehenden Reisen geplant und wenn mal kein nächstes Flugticket gebucht war, fühlte man sich fast schon wie in einem Vakuum. Der Roadtrip nach Neuseeland wurde eine unserer eindrücklichsten Reisen. Danach waren wir noch bei einem Städtetrip nach Antwerpen gewesen und dann kam die Covid-Pandemie.
Reisen erhielt plötzlich einen ganz anderen Stellenwert, war nicht mehr selbstverständlich und vor allem Reisen in ferne Länder waren auf einmal nicht mehr (so einfach und unbeschwert) möglich. Das Planen neuer Trips fiel weg, die Vorfreude auf anstehende Flüge verpuffte und man hatte plötzlich viel Zeit sich über andere Themen Gedanken zu machen. Die Lücke, die die ausgefallene Vorfreude hinterlassen hat, füllten wir mit dem Schwelgen in Erinnerungen an vergangene Reisen. Knapp 20 Jahre haben wir zusammen die Welt erkundet, fremde Länder bereist, viele Menschen getroffen und coole Erlebnisse gehabt. Zahllose Momente sind uns noch gut in Erinnerung, viele sind im Laufe der Jahre aber auch verblasst, wurden von neuen Erlebnissen in den Hintergrund gedrängt. Was eigentlich sehr schade ist und den Reisen auch nicht gerecht wird.
So kamen erste Ideen zum Projekt “ZeitReisen” auf. Die alten Reisen nochmals in Erinnerung bringen, Fotos auskramen, die Reisen nochmals durchleben.

Im ersten Teil unseres Projektes haben wir von jeder Reise, die wir zusammen unternommen haben, ein Bild ausgewählt und es in chronologischer Reihenfolge in ein Buch gepackt. Jede Reise, die nicht geschäftlich war, die nicht zum Freunde besuchen gedacht war, sondern zum Erleben und “Entdecken” neuer Orte und Länder. Die Zusammenstellung der Bilder auf den Seiten ergab sich dabei aus der chronologischen Reihenfolge der Reisen, was zum Teil zu spannenden Gegenüberstellungen geführt hat. Manchmal waren wir auch selbst überrascht zu erkennen, wo wir in einem Jahr überall gewesen sind, wie kurz die Abstände zwischen den Reisen waren und wie groß die Kontraste zwischen den einzelnen Tripps gewesen sind. So ist zum Beispiel auf einer linken Doppelseite der Formarinsee in den österreichischen Alpen mit saftig grünen Wiesen und blühenden Alpenblumen im Vordergrund abgebildet und gegenüber auf der rechten Seite die Hickman-Bridge, ein Felsenbogen im Capitol Reef Nationalpark in der Wüste Utahs. Zwischen den beiden Bildern liegen keine 4 Wochen.

Genau das richtige Buch für eine Zeit wie diese … in der Reisen erst mal nicht mehr möglich ist und das Schwelgen in Erinnerungen die Vorfreude zu kompensieren versucht.

  Das war 2020 - Die Schönheit der Heimat Apfelblüte am Bodensee