Inselgeschichten – Ein Reisebericht von den Faröer Inseln

Das erste Bild, welches wir jemals von den Faröer Inseln gesehen hatten war der Wasserfall Múlafossur der bei Gásadalur über steile Klippen direkt in’s tosende Meer fällt. Dass sich dieser Wasserfall auf den Faröer Inseln befindet und wo die Faröer Inseln überhaupt liegen, war uns damals noch nicht bekannt. „Damals“ war zu einer Zeit, als das Internet noch am Kabel hing, Reise-Fotos noch ausgedruckt wurden und sich Google daran machte, Yahoo als die dominierende Suchmaschine abzulösen. Aber schon damals war uns klar, dass wir diesen Wasserfall irgendwann selbst mit unseren eigenen Augen sehen wollen.

Die Jahre zogen in’s Land, wir sind immer mehr und immer weiter gereist und speziell der Norden hat uns immer mehr fasziniert. Aber häufig mussten die Faröer Inseln hinter anderen Reisen zurück stecken. Bis wir uns im letzten Jahr dazu entschieden hatten endlich mal dorthin zu fliegen, bevor die Inseln das gleiche Schicksal ereilt wie ein paar Kilometer weiter im Westen Island.
Und wie sich heraus stellen sollte, was das Timing gerade noch rechtzeitig.

Die Faröer Inseln liegen mitten im Nordatlantik zwischen Schottland, Island und Norwegen. Der Name Färöer bedeutet wörtlich übersetzt „Schafsinseln“. Dies ist auch wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass etwa doppelt so viele Schafe wie Menschen auf den Inseln leben. Von den knapp 50.000 Einwohnern lebt ein Großteil in der Hauptstadt Tórshavn. Die Faröer bestehen aus 18 Inseln, gehören formal zu Dänemark, sind jedoch autonom und anders als Dänemark nicht Mitglieder der EU. Aufgrund dieser Konstellation gestaltete sich das zurück tauschen von Faröer Kronen nach unserer Reise etwas schwieriger als gedacht.

Reiseziele

Faröer Inseln

Dauer

11 Tage

Strecke

ca. 1350 km

Reisezeit

Juni 2019

Unsere Reiseroute

Eine richtige Reiseroute hatten wir uns für diese Reise nicht zurecht gelegt. Planen wir sonst unsere Roadtrips immer recht detailliert, so sind die Distanzen auf den Faröer Inseln doch meist im überschaubaren Rahmen. Eine grobe Einteilung hatten wir uns trotzdem vorgenommen. Wir wollten zuerst den einsamen (oder einsameren) Norden der Inseln erkunden und hatten uns ein Appartment in der Nähe von Klaksvik dafür ausgesucht. Speziell wenn man eine frühe Fähre nach Kalsoy bekommen will (was sehr empfehlenswert ist) lohnt es sich, in der Nähe des Fährhafens zu übernachten. Und die Gegend um Viðareiði lässt sich so auch entspannter entdecken.
Die zweite Etappe führte uns nach Vágar. Wir brachen von hier unter anderem zu unserer Tour nach Mykines auf (wieder die Sache mit der frühen Fähre) und erkundeten einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten.
Als letztes verbringen wir einige Tage in Thorshavn, der Hauptstadt der Faröer Inseln. Die frühe Fähre, welche wir hier nehmen wollen, bringt uns nach Nolsoy. Ansonsten liegt Thorshavn relativ zentral und durch einen neuen Tunnel, welcher sich gerade in Bau befindet, sollen auch die nördlichen Teile in Zukunft schneller mit dem Auto zu erreichen sein.
Wie gesagt, die Faröer Inseln sind von den Distanzen recht kompakt. Und so sind wir auch einmal abends um 22 Uhr noch in Thorshavn losgefahren zu einer kurzen, aber äußerst lohnenswerten Wanderung auf den Hvíthamar in der Nähe von Funningsfjørður. Aber trotzdem haben wir es nicht bereut, in unterschiedlichen Gegenden und bei unterschiedlichen Menschen zu übernachten.

Unterkunft

AirBnB Appartment

Leirvík

Unterkunft

AirBnB Appartment

Sandavágur

Sehr schöne Unterkunft

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Tórshavn

Der Wetterbericht in den Wochen vor unserer Reise auf die Faröer Inseln sah alles andere als vielversprechend aus: Regen, Wind und maximal 10 bis 12 Grad. So weit, so gut. Die Inseln liegen mitten im Nord-Atlantik, sind stark zerklüftet und Wind und Wetter ziemlich ausgeliefert. Dieser Wetter-Mix und die ausgesetzte Lage machen den Flughafen auf der Insel Vagar zu einem der spannenderen Ziele für Piloten wenn es darum geht, beim Anflug ein Flugzeug möglichst mittig auf der Landebahn zu platzieren. Entsprechend gespannt schauten wir vor unserem Abflug am Flughafen in Kopenhagen immer mal wieder auf das aktuelle Wetter vor Ort. Und wir sollten Glück haben: Nachdem in den letzten Tagen vereinzelt Flüge umgeleitet werden mussten, weil ein Landeanflug nicht möglich war, so zeigten sich die Faröer Inseln bei unserer Ankunft von ihrer lieblichen Seite: Sonnenschein mit weißen, fluffigen Wolken um die Bergspitzen. Für’s Ankommen wunderbar, aber für die nächsten Tage wünschten wir uns doch ein bisschen mehr Drama beim Wetter. Und das sollten wir auch bekommen.

Viðareiði, Tjørnuvík & Gjógv

Im Gegensatz zu Island mit seinen Vulkanen und Gletschern wirken die Faröer Inseln mit den grünen Wiesen, den sanften grünen Hügeln (inklusive tausenden von Schafen) und schroffen Klippen ganz anders. Bald ist Mittsommer, die kürzeste Nacht des Jahres steht bevor. Wir sind zwar noch südlich des Polarkreises, die Tage sind aber doch schier unendlich lang. Und im Laufe unserer Tage auf den Faröer Inseln verlieren wir ein wenig unser Zeitgefühl. Wir stehen auf sobald es hell ist, und brechen auch abends noch zu Wanderungen auf, bei denen wir in unseren Breitengraden nicht mehr ohne Stirnlampe loslaufen würden.

Ab und an finden sich in den endlosen grünen Wiesen kleine Dörfer, häufig auch nur Ansammlungen von Häusern. Bunte Häuser, die einen schönen Kontrast zum Grün der Wiesen und dem Blau des Himmels und des Atlantiks bieten. Einige der schönsten Orte sind sicherlich Viðareiði, ganz im Norden auf der Insel Viðoy, Tjørnuvík und Gjógv, mit seiner Felsspalte, welche die Einwohner als kleinen Hafen nutzen. Allen drei Orten ist gemein, dass Sie am Ende einer langen Straße liegen, fern ab von den nächsten Ortschaften und wenn die meisten Touristen abends ihren Weg Richtung Appartments angetreten haben, breitet sich dort eine unglaublich beruhigende Stille aus. Man hört nichts außer dem Rauschen des Meeres, dem Gekreische der Vögeln … und dem Wind.

Der Eingangs beschriebene Ort Gásadalur auf der Insel Vágar durfte auf unserer Reise natürlich auch nicht fehlen. Schließlich setzte er sich als das erste Bild dieser damals uns noch unbekannten Inseln im Gedächtnis fest. Allerdings war dann das Erlebnis, wirklich dort zu stehen und von den Klippen gegenüber auf den Wasserfall zu schauen nicht so überwältigend, wie ursprünglich vermutet und erhofft. Vielleicht lag’s ja an den Reisebussen, die dieses Ziel unweit des Flughafens auch in ihrem Standard-Reiseprogramm haben?

Wandern auf grünen Hügeln

Im Voraus hatten wir schon viel über die Faröer Inseln gelesen. Der ansteigende Tourismus der letzten Zeit war dabei häufig auch ein Thema. Und wir waren schon gespannt, wie sich dies bemerkbar machen wird. Da sind zum einen natürlich die Gebühren, die man mittlerweile für bestimmte Wanderungen zahlen muss. Die sicherlich mal mehr, mal weniger gerechtfertigt sind und es bedarf sicherlich auch noch einer eher ganzheitlichen und langfristigen Lösung. Aber wir hatten, zumindest zu dem Zeitpunkt als wir dort waren, nicht das Gefühl, dass es in der Summe zuviel wäre. Weder ein Zuviel an Gebühren als auch, glücklicherweise, ein Zuviel an anderen Wanderern. Ziele, die bei jedem auf der Liste stehen und die in sozialen Medien auch präsenter sind als andere, waren natürlich voller. Zu nennen wären hier allen voran Mykines und Kalsoy.

Aber wir haben noch einige Wanderungen gefunden, bei denen wir so gut wie alleine unterwegs waren, die landschaftlich mindestens genauso beeindruckend waren und bei denen man auch noch ein Wandergefühl hatte wie man es aus Erzählungen von vor ein paar Jahren kennt. Wenn man so will, waren dass dann auch die Momente, die viele von den Faröer Inseln erwarten, dann aber enttäuscht sind, wenn sie diese nicht finden, weil sie sich zu sehr von Instagram leiten lassen. Aber es gibt sie noch, diese einsamen und ursprünglichen Gegenden auf den Faröer Inseln. Und es bleibt zu hoffen, dass es sie auch in Zukunft noch geben wird.

Noch mehr Inseln: Kalsoy, Mykines und Nolsoy

Die Faröer Inseln bestehen insgesamt aus 18 Inseln. Die vier Hauptinseln Vágar, Streymoy, Eysturoy und Borðoy sind über Tunnel miteinander verbunden und man kann bequem mit dem Auto zwischen den Inseln hin und her wechseln. Für das Durchfahren der Unterwasser-Tunnel zwischen Vágar – Streymoy und Eysturoy – Borðoy ist eine Maut fällig, die entweder an einer Tankstelle bezahlt werden kann oder über eine Art Flatrate, die man einmalig im Voraus bezahlt und mit der man beliebig oft die Tunnel durchfahren kann, abgerechnet wird. Nach kurzem Überlegen haben wir uns für die Flatrate entschieden und haben es nicht bereut. Die anderen 14 Inseln sind entweder per Autofähre, mit einem kleinen Boot oder nur per Helikopter zu erreichen.

Auf Kalsoy sind wir mit der Autofähre übergesetzt. Man kommt im Süden der Insel an, der Leuchtturm Kallur liegt aber ganz an der Nordspitze, am Ende einer kurzen Wanderung. Wir haben morgens gleich die erste Fähre genommen um am Leuchtturm noch etwas Einsamkeit zu haben, da er doch eine der Hauptsehenswürdigkeiten ist. Unser Plan ging auf. Die Fähre war noch fast leer und so konnten wir gemütlich zum Leuchtturm wandern. Es war unsere erste Wanderung auf den Faröern und gleich eine der schönsten. Die Ausblicke oben im Norden der Faröer sind beeindruckend. Der kleine Leuchtturm, wie er da so auf den über 100 m hohen Klippen steht, ist schlichtweg einmalig. Wenn es etwas zum Meckern gab, dann lediglich, dass das Wetter etwas an Dramatik vermissen lies. Wir hatten den ganzen Tag über strahlenden Sonnenschein. Aber das sollte sich ein paar Tage später auf der nächsten Insel noch ändern.

Weder auf Island noch in Norwegen hatten wir bisher das Glück, Papageientaucher zu entdecken. Diese kleinen, tolpatschig-elegant wirkenden Vögel mit ihrem roten Schnabel und dem extrem schnellen Flügelschlag. Auf der Insel Mykines, in Sichtweite von Vágar gelegen, sollte es nun endlich soweit sein. Wir waren schon sehr gespannt. Und auch die Fahrt nach Mykines war schon ein Erlebnis, vorbei an Drangarnir und Tindhólmur. Auf Mykines angekommen setzte Regen ein. Die Wolken kamen tiefer und bald schon war von Vágar nichts mehr zu sehen. Wir machten uns auf den Weg zum Leuchtturm von Mykines. Der Weg dorthin führte direkt durch eine Kolonie von Papageientauchern. Die meisten von ihnen hatten wohl auch keine Lust darauf das nasse Wetter in ihren Höhlen zu verbringen und waren auf hoher See unterwegs. Aber trotzdem waren noch einige von ihnen auf der Insel. Und es war schon sehr, sehr … putzig.

Hoch über den Faröern

Beim Anflug auf den Flughafen von Vágar mit Atlantic Airways konnten wir schon viel von den Inseln sehen. Und das Wetter meinte es auch beim Abflug wieder gut mit uns, sodass wir einen traumhaften Blick auf die Inseln von weit oben bekommen konnten. Aber auch während unserer Zeit vor Ort hatten wir ein paar Möglichkeiten, die Inseln von oben zu genießen: mit der Drohne und per Helikopter.

Durch die Einsamkeit und die wenigen Menschen auf den Inseln bot sich häufig die Möglichkeit, per Drohne schöne Aufnahmen aus der Luft zu machen. Die vielen Drohnen-Verbotsschilder lassen aber auch darauf schließen, dass manche es in der Vergangenheit vielleicht etwas übertreiben haben und auch dort geflogen sind, wo es besser nicht angebracht gewesen wäre. Trotz der Verbote gibt es aber immer noch genügend faszinierende Orte, an denen man verantwortungsbewusst fliegen kann und sich der Blickwinkel von oben lohnt. Widrige Umstände wie Wind, Regen und Seevögel tragen nur noch mehr zum Charme der Luftfotografie in diesen Breitengraden bei. Und steigern das wohlige Gefühl der Erleichterung, wenn das Flugding wieder vom Meer zurück gekommen und sicher gelandet ist.

Eine etwas speziellere Art der Fortbewegung auf den Faröer Inseln ist ein Linienverkehr mit Helikoptern. Diese verkehren nach Fahrplan zwischen den Inseln und so erreicht man auch Inseln die so klein sind, dass sich eine Anbindung per Boot nicht lohnen würde. Die Helikopter-Flüge sind primär für Einheimische gedacht und diese haben auch Vorrang vor Touristen. Somit wird sicher gestellt, dass die Flüge nicht komplett als Touristen-Attraktion missbraucht werden, sondern weiterhin dem Linienverkehr dienen. Aber mit ein bisschen Glück ergattert man Tickets für einen nicht ganz ausgebuchten Flug. Wir hatten uns einen Sonntag Nachmittag ausgesucht und konnten für die Strecke von Tórshavn nach Vágar einchecken. Und da auch ein Bewohner von Koltur mit an Bord war (einer von drei Bewohnern, die auf der Insel leben), haben wir noch einen kurzen Zwischenstopp auf der Insel eingelegt. Es war unser erster Helikopter-Flug, und das gleich in solch einer Landschaft. Total faszinierend und wir würden es sofort wieder machen. Kleine Einschränkung: Man kann nicht im Kreis fliegen, sondern nur in eine Richtung. Den Rückweg muss man in einem anderen Verkehrsmittel antreten. Was in unserem Fall ein Taxi vom Flughafen zurück nach Tórshavn war. Eine reizvolle Alternative im Norden der Inseln ist ein Flug ausgehend von Klaksvik und einer Rückfahrt per Fähre und Bus. Diese Variante werden wir uns beim nächsten Mal genauer ansehen. Denn so klein die Inseln sind, so unterschiedlich sind sie doch. Und die nördlichen Ausläufer mit den Fjorden udn Tälern haben auch ihren Reiz.

Die Zeit auf den Faröer Inseln verging viel zu schnell. Zurück in der Heimat stand dann erst mal eine kleine Urlaubs-Durststrecke an. Die nächste größere Reise sollte uns im Oktober in ein weiteres Land mit hoher Schaf-Population führen: Neuseeland. Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen haben wir noch einige Tage in den Bergen verbracht, ein langes Wochenende in Mittenwald im Karwendel inklusive. Aber mit jeder Woche, die es näher an unseren Neuseeland-Trip ging, stieg die Vorfreude auf die nächste große Reise rapide an. Und es war ja auch noch einiges zu planen, damit’s ein unvergesslicher Trip wird.

Für die Faröer bleibt es zu hoffen, dass sich diese Inseln auch in Zukunft ein Stück ihrer Ursprünglichkeit und ihrer Einsamkeit bewahren. Durch die momentan noch relativ geringe Anzahl an Flügen mit denen man die Inseln erreichen kann, ist hier noch ein „natürliches“ Limit an Touristen gesetzt. Und noch gibt es sie, diese einsamen, faszinierenden Orte wegen denen man auf diese Inseln fliegt und die noch keinem Social-Media-Hype zum Opfer gefallen sind. Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken dieser Orte …

  Das war 2019 - Ein Jahr, zweimal Frühling (Teil 2) Altmühltal statt Banff: It is, as it is