Die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 hatten wir lange Zeit gar nicht mehr auf dem Schirm. Als wir Ende letzten Jahres das erste Mal davon gehört hatten, dass es im Sommer des kommenden Jahres eine totale Sonnenfinsternis in Teilen Europas geben wird, haben wir uns erst einmal den Bereich des Kernschattens angesehen. Island, Grönland, Spanien. In Grönland sind wir vor ein paar Monaten gerade erst gewesen, Island wäre auch mal wieder spannend. Und eine totale Sonnenfinsternis ein guter Grund, nach über 10 Jahren wieder auf die Insel zurück zu kehren (nachdem es sich zu keinem der Vulkanausbrüche seither ergeben hatte). Ein Blick auf die Flugpreise hat uns dann aber sehr schnell wieder umgestimmt. Und die Gedanken an die Sonnenfinsternis erst mal wieder in den Hintergrund treten lassen.
Sonnenfinsternis? War da was?
Bis wir im Juni spontan nach Galizien im Norden Spaniens gereist sind. Hier kommt der Kernschatten vorbei und es wurde in der Region fleißig Werbung damit gemacht. Auch das hatte allerdings erst einmal keinen sonderlich nachhaltigen Eindruck auf uns hinterlassen. In Deutschland, weit ab vom Kernschatten, sollte nur ein Teil der Sonne vom Mond überdeckt werden.
Spannend wurde es dann eine knappe Woche vor Eintritt der Sonnenfinsternis als wir uns die Zeiten, wann die Sonnenfinsternis sein wird, genauer angesehen haben. Der Mond soll gegen 19:30 Uhr vor die Sonne gehen und gegen 20:15 die Sonne zu 90% bedecken. Um dann im Sonnenuntergang vor der Sonne zu bleiben und zusammen mit ihr hinter dem Horizont verschwinden.
Nun wird die Sache richtig spannend. Zugegeben, das hätte man auch schon früher heraus finden können, aber nun ja. Umgehend haben wir versucht eine der letzten Sonnenfinsternis-Brillen zu ergattern. Lieferdatum: 11. August, einen Tag vor der Finsternis. Nun ging es nur noch darum, einen passenden Standort ausfindig zu machen, von dem aus man der Sonne und dem Mond beim Untergehen zusehen kann. Dank Photopills war dieser dann auch schnell gefunden: Die Sonne versinkt an diesem Tag von Bregenz aus gesehen genau in der Verlängerung des Bodensees hinter dem Horizont.
Und das Sahnehäubchen obendrauf: Am selben Abend ist noch das Maximum des Perseiden-Meteor-Stroms.
Nun wird die Idee sehr konkret. Wir fahren nach der Arbeit direkt los um rechtzeitig am Ufer des Bodensees in Bregenz zu sein. Die Zeit bis zum Beginn der Finsternis nutzen wir noch dazu den richtigen Platz zu finden, mit freier Sicht nach Westen, vielleicht noch mit Lindau in der Ferne auf der Sichtachse zur untergehenden Sonne. Schnell ist ein entsprechender Platz gefunden (ohne die Silhouette von Lindau am Horizont, aber trotzdem schön) und wir warten auf den Beginn der Finsternis. Die Sonnenfinsternis-Brillen sind am Tag vorher wie versprochen geliefert worden. Lediglich mit dem entsprechenden Filter für das Objektiv der Kamera hat es nicht mehr gereicht. Aber man kann Filter ja auch übereinander schrauben. Hatte ich bisher nie gebraucht, jetzt ist es auf einmal äußerst praktisch den Polfilter vor den ND-Filter zu schrauben.
Teil 1: Die Sonnenfinsternis
Die Bänke am Ufer werden langsam voller und die Zahl der Picknick-Decken am Ufer des ziemlich ausgetrockneten Bodensees nimmt zu. Von links ist entspannte Chillout-Musik zu hören. Rechts von uns wird mit ChatGPT gechattet, wann die nächste vollständige Sonnenfinsternis sein wird und was man bei einer Sonnenfinsternis besser nicht machen sollte.
Ein Blick durch die SoFi-Brille verrät, dass der Mond nun beginnt die Sonne anzuknabbern. Er schiebt sich langsam von rechts unten in die Mitte. Auf den Fotos sieht man schön, wie der Mond sich Stück für Stück vor die Sonne drängt. Auch die Sonnenflecken sind gut zu erkennen. Die Umgebung wird nun merklich dunkler. Bis der Mond nach einer guten dreiviertel Stunde die Sonne zu 90% überdeckt. Aus der Ferne hört man lautes Klatschen. Das Schauspiel hat seinen Höhepunkt erreicht. Aber der wirklich spannende Teil kommt erst noch.




Je später es wird, desto tiefer liegt die Sonne über dem Horizont. Und je näher die Sonne dem Wasser kommt, desto spannender werden die Bildkompositionen. Auf dem See befinden sich zahlreiche Boote. Kleine Motorboote, die regulären Ausflugsschiffe. Die Mehrheit sind jedoch Segelschiffe. Und die machen sich vor der Sonne besonders gut. Als die Sonne kurz über dem Horizont steht, verdeckt der Mond immer noch gut die Hälfte ihrer Fläche. Das grelle Licht der Sonne ist nun durch den Dunst gedämpfter und mehr ins Orange abgetaucht. Und dann geht es plötzlich sehr schnell. Sonne und Mond berühren den Horizont und innerhalb weniger Minuten sind sie beide zusammen verschwunden. Was bleibt ist ein rosafarbener Schimmer, der sich noch eine ganze Weile über dem See hält.







Die Bänke leeren sich, auch wir machen uns auf den Weg zurück nach Bregenz und holen uns noch eine Stärkung um für den zweiten Teil des Abends gewappnet zu sein.
Teil 2: Sternenstaub
Die Blaue Stunde verbringen wir am Ufer des Bodensees in Bregenz. Der mittlerweile wieder wolkenlose Himmel zeichnet einen sanften Verlauf von hell- nach dunkelblau. Auf der gegenüberliegenden Seite schimmern die Lichter von Lindau in der Abenddämmerung. Und die ersten Sterne erscheinen am Himmel. Zeit für uns zurück zum Auto zu gehen und noch ein wenig in die Berge zu fahren. Dann heute ist nicht nur Sonnenfinsternis, sondern auch noch das Maximum der Perseiden. Das bedeutet große Chancen auf viele Sternschnuppen. Und wie jeder weiß, kann man sich bei Sternschnuppen etwas wünschen. Und wer will sich sowas schon entgehen lassen.
Nachdem wir nicht unbegrenzt Zeit haben fahren wir zu einem unserer Lieblingsplätze zum Sterne-Kucken im Allgäu. Mit einer traumhaften Rundumsicht auf die Berge, aber auch gen Nordosten, von wo die meisten Sternschnuppen kommen sollen. Und das Perseidenhoch hat nicht zuviel versprochen. Wir sind nicht lange dort, aber in der Kürze der Zeit sehen wir schon zahlreiche Sternschnuppen. Ganz kleine, die nur kurz aufblitzen bevor sie verglühen und auch größere, die ein paar Sekunden am Himmel zu sehen sind und einen Schweif aus Sternenstaub hinter sich herziehen. Zumindest ist das unsere naive Erkärung für den grünlichen Schweif, der manchmal zu sehen ist.





Wir genießen das Schauspiel, wünschen uns fleißig schöne Dinge und machen uns irgendwann schweren Herzens auf den Weg zurück nach Hause. In der schönen Gewissheit, dass wir am nächsten Abend schon wieder Sternschnuppen sehen werden. Im Salzkammergut. Auch dort gibt es – abseits des Trubels – ruhige und vor allem dunkle Orte, die sich wunderbar zum Beobachten von Sternen und der Milchstraße eignen. Auch hier werden wir zahlreiche Sternschnuppen sehen und einen der klarsten Orte für uns entdecken, an denen wir bisher die Milchstraße sehen konnten. Aber dazu mehr im nächsten Artikel.
