Als wir ins Auto steigen um nach Bad Aussee im Salzkamergut zu fahren sind wir immer noch ziemlich geflashed von den Erlebnissen des gestrigen Abends und der Nacht. Wir sind in Bregenz am Bodensee gewesen um die Sonnenfinsternis zu erleben und haben danach noch einen Abstecher in’s Allgäu gemacht um den Höhepunkt der Perseiden zu fotografieren. Ein paar Sternschnuppen haben wir auf unseren Fotos gefunden, aber die Anzahl und die Leuchtkraft aller Sternschnuppen, die wir in der kurzen Zeit gesehen haben, war schon sehr beeindruckend.
Und mit diesen noch sehr frischen Erinnerungen machen wir uns auf den Weg ins Salzkammergut um dort in den nächsten Nächten weiterhin unser Glück mit Sternschnuppen zu versuchen. Im Salzkammergut gibt es, abseits der Touristenströme, einige dunkle Orte, die gut erreichbar sind und von denen aus man einen schönen Blick auf das nächtliche Salzkammergut mit seinen Seen und den umliegenden Bergen genießen kann. Wir sind vor allem schon auf den Sternenpark Attersee-Traunsee gespannt und die Light-Pollution-Map zeigt südlich von Bad Aussee weitere, sehr dunkle Regionen an. Und wie sich bald heraus stellen wird, müssen wir uns gar nicht soweit von unserer Unterkunft entfernen, um schon die ersten Sternschnuppen zu finden.
Bad Aussee
Es ist mittlerweile etwas später als geplant geworden als wir uns auf den Weg nach Bad Aussee machen. Bei unserer Ankunft im Salzkammergut setzt schon die Dämmerung ein und bald ist die Nacht vollständig herein gebrochen. Für die Anreise haben wir uns eine Passstraße ausgesucht in der Hoffnung, von dort vielleicht schon die ersten Sternschnuppen fotografieren zu können. Es ist das erste Mal, dass wir den im Auto eingebauten Kompass ainnvoll einsetzen um zu prüfen, in welche Himmelsrichtung wir gerade fahren: Die Perseiden sind bevorzugt im Nordosten zu sehen. Die Passstraße steigt kontinuierlich an, die Kurven nehmen zu … und der Wald um uns herum will einfach nicht weniger werden. Als wir auf der Passhöhe ankommen, sind wir immer noch umringt von hohen Tannen. So fahren wir direkt weiter bis zur Unterkunft um zumindest noch vor Mitternacht einzuchecken und dann vielleicht noch ein wenig die Gegend rund um die Unterkunft zu erkunden. Als wir dort ankommen, erkennen wir jedoch zu unserer Freude: Es ist gar nicht nötig, weiter zu suchen. Unser Appartment liegt am Ortsrand, mit einem kleinen Garten vor der Terrasse. Und dieser ist perfekt nach Nordosten ausgerichtet. Vor uns nur Wiesen und Berge, alles schön dunkel. Perfekte Bedingungen zum Sterne-Kucken. Und so stehen wir einfach nur im Garten, die Köpfe in den Nacken gelegt (Liegestühle haben wir auf die Schnelle nicht gefunden) und zählen Sternschnuppe um Sternschnuppe.


Sternenpark Attersee – Traunsee
Entsprechend schlafen wir am nächsten Morgen erst mal etwas länger aus. Ein Blick in den Garten bei Tag zeigt uns, dass bis auf ein paar Hütten nichts mehr vor uns steht und den Blick versperrt: nur Wiese und Berge. Und somit keinerlei Lichtquellen den Blick in den nächtlichen Himmel stören. Den Tag verbringen wir damit, nach weiteren Locations für die Nacht zu suchen. So richtig fündig werden wir nicht bei unserer Suche. Somit bleiben wir bei unserem ursprünglichen Plan und fahren abends nach Norden in Richtung Attersee. Auf dem Weg dahin halten wir einige Male an und genießen die Landschaft. Die Seen hier haben kristallklares Wasser, in dem sich der Sonnenuntergang spiegelt. Vereinzelt treiben Segelboote auf dem See, deren schwarze Silhouetten leicht hin und her schwanken. Unser Ziel für diesen Abend sind die Teleskope des Sternenparks Attersee – Traunsee. Sie haben zwar nicht geöffnet, aber der Blick von hier oben ist traumhaft. Weit unten sehen wir den Attersee und über die Hügel verstreut liegen einige Bauernhöfe.




So langsam wird es dunkel über den Kuppeln der Sternwarte und die ersten Sterne erscheinen am Firmament. Wir planen gerade noch ein wenig den nächsten Tag bis wir am südlichen Himmel die Milchstraße erkennen können. Obwohl unter uns der Attersee liegt, um den sich rundherum Ortschaften befinden, ist die Umgebung hier ziemlich dunkel. Die Milchstraße wird immer klarer sichtbar und sie bewegt sich langsam auf den Attersee zu. Bevor sie den See erreicht, fahren wir wieder hinunter in’s Tal. Halten kurz an einem Aussichtspunkt und sind dann bald wieder auf der Uferstraße. Wir versuchen die Foto-Plätze wieder zu finden, die wir uns auf dem Hochweg gemerkt haben. Gar nicht so einfach in der Dunkelheit. Wir halten einige Male, bis wir den perfekten Platz finden. Nun ja, was ist schon Perfektion, aber er gefällt uns jedenfalls sehr gut. Die Lichter der Ortschaften vom anderen Ufer spiegeln sich auf der klaren Seeoberfläche. Irgendwo in der Nähe scheint gerade ein Trance-Festival zu sein, die passende musikalische Untermalung um die Milchstraße zu fotografieren. Nachdem wir wieder in unserem Appartment angekommen sind, gehen wir nochmals in den Garten. Hier scheinen wir heute kein Glück mehr zu haben aber vorhin bei den Teleskopen haben wir immerhin schon ein paar Sternschnuppen gesehen.





Sölkpass
Die vierte Sternen-Nacht in Folge verbringen wir im Sölktal. Wir sind lange unentschlossen, wo wir diese Nacht fotografieren wollen. Im Ennstal und Sölktal sind gerade einige Plätze zum Sterne-Kucken vorbereitet worden, mit Sternenkarten und Erklärungen für all jene, die nicht einfach nur in den Himmel schauen wollen sondern auch mehr darüber lernen wollen. Unser erstes Ziel ist der Sölkpass. Die Passhöhe des Sölkpass liegt auf über 1.700 m. Weit uns breit sind keine Dörfer oder Ortschaften in Sicht. Auf dem Weg hoch auf den Pass sehen wir im Westen knapp über dem Horizont für einen kurzen Moment die dünne Sichel des Neumonds. Die ersten Wolken schieben sich gerade vor den Mond. Hoffentlich bleiben sie noch lange genug im Westen und verdecken nicht so schnell die Milchstraße. Weiter oben am Pass schweift der Blick nach Norden. Eigentlich um zu checken, ob schon die ersten Sternschnuppen zu sehen sind. Da erkennen wir in der Ferne ein Feuer oben am Berg. Kein Waldbrand, wie es sie in diesem Sommer schon so häufig gab. Wir vermuten es sind die “Flammenden Berge” in Bad Aussee: Bergfeuer, die oben auf dem Loser angezündet wurden. Ähnlich wie die Johannisfeuer in Ehrwald.
Als wir oben auf der Passhöhe ankommen sind wir ganz alleine. Lediglich ein paar Kuhglocken sind in der Ferne zu hören. Der Blick ist nicht optimal für die Perseiden, da sich im Nordosten hohe Berge befinden, aber nach Süden auf die Milchstraße ist der Blick frei und die Luft komplett klar. Wir haben noch selten so viele Sterne gesehen. Die Milchstraße ist mit bloßen Auge im Detail zu erkennen. Wir sind schlichtweg beeindruckt. Die lange Anfahrt hat sich wirklich gelohnt. Nach einer guten Stunde auf der Passhöhe fahren wir wieder talabwärts um noch zwei der Sternenplätze zu besuchen. Der erste befindet sich recht weit oben im Tal, in St. Nikolai im Sölktal, der zweite am Talausgang in Stein an der Enns. Es gibt noch vier weitere, aber die sind in dieser Nacht für uns nicht mehr zu erreichen. Glücklich darüber, die letzten 4 Nächte sternenklaren Himmel gehabt zu haben, fahren wir wieder zu unserem Appartment. Als wir dort ankommen, ziehen schon die ersten Wolken von Westen herein. Umso glücklicher sind wir, dass die Wolken erst jetzt kommen.




Und tagsüber?
Das Salzkammergut hat so viele schöne Ecken. Alleine die Seen mit ihrem glasklaren Wasser sind etwas Besonderes. Die Gegend ist allerdings längst kein Geheimtipp mehr und bei dem sonnigen Wetter sind die Seen ziemlich beliebt. So beliebt, dass manchmal unsere Parkplatzsuche erfolglos geblieben ist. Der Altausseer See und der Grundlsee haben uns dieses Mal am Besten gefallen.






Der Abstecher zum Benediktinerstift Admont mit seiner Bibliothek hat sich definitiv gelohnt. Admont liegt am Rande des Nationalparks Gesäuse. Die weltgrößte Klosterbibliothek ist sehr beeindruckend. Nicht nur das Gebäude und die Bücher, auch die Geschichte, die dahinter steckt. Der anschließende Umweg über die Kaiserau hält noch eine kleine Überraschung bereit: an diesem Wochenende findet die Oldtimer-Ralley “Grimming-Gesäuse” statt. Schicke Autos in reizvoller Umgebung.











Der letzte Tag ist dann wolkenverhangen. Auf dem Heimweg können wir es dann doch nicht lassen: Nach einem kurzen Spaziergang in Bad Aussee (mit dem größten Mercedes-Stern der Welt, den man hier auch nicht unbedingt vermuten würde) haben wir noch einen Stop in St. Wolfgang im Salzkammergut eingelegt. Auch hier ist die Parkplatzsuche eher herausfordernd, aber immerhin nach kurzer Wartezeit erfolgreich. Der letzte See des Wochenendes ist der Mondsee. Auch hier sehen wir nochmals einen Teil der Oldtimer-Rallye. Ein besonders schicker Wagen, der gestern am Pass in der Kaiserau in einer Kurve liegen geblieben war, ist auch wieder mit dabei.








Insgesamt waren es drei super schöne Tage im Ausseer Land. Die nächtlichen Aussichten auf die Milchstraße, die Ruhe und Abgelegenheit der Sternenplätze waren dabei ein guter Kontrast zu den trubeligen Tagen an den Seen. Und die Ausbeute an Sternschnuppen war dieses Jahr beachtlich. Wir sind gespannt, wie viele der Wünsche in Erfüllung gehen werden.
