Bergseen im Ultental

Die Sonne hängt noch hinter den Bergen als wir uns aufmachen in’s Ultental. Das Ultental ist ein Seitental in der Nähe von Meran. Es ist noch relativ ursprünglich, auf den Berghängen gibt es noch viele alte Bauernhöfe und am Talschluss eine Reihe von kleinen Bergseen. Und da wollen wir heute hin. Die Straße schlängelt sich zuerst in einigen Kurven einen Berghang hoch, links und rechts stehen Weinreben mit gelb verfärbtem Laub. Die Sonne hat es mittlerweile über die Bergkette auf der anderen Seite des Tals geschafft und strahlt die Weinreben mit warmem, tief stehenden Licht an. Auf unsere Fahrt durch das Tal sehen wir schon die ersten gelb verfärbten Lärchen. Vielleicht gibt es am Talschluss ja noch ganz viele davon?

Vom Berghang rechts neben kommt eine kleine Lastenseilbahn angeschossen und hält kurz vor der Straße an. In ihr befinden sich drei Milchbehälter, vermutlich mit frische Milch vom morgendlichen Melken. Wir wundern uns im ersten Moment, ob die Seilbahn wohl vor der Straße anhalten wird. Je weiter wir in’s Tal hinein fahren, desto häufiger finden wir links und rechts solche rudimentären Lastenseilbahnen.

Die Straße wir enger, kurviger und steigt am Talende auf knapp 1900 m an. Auf den Berggipfel liegt bereits der erste Schnee. Als wir los wandern sehen wir in Pfützen noch kleine Eisstücke. Die Nacht war wohl etwas frisch hier oben. Dementsprechend sind auch die Lärchen schon im Winter-Modus, und die Nadeln liegen auf dem Boden. Aber die Ausblicke in’s Tal sind trotzdem wunderschön. Das Wetter ist top, etwas kalt vielleicht, aber als wir nach über einer Stunde im Schatten endlich in der Sonne weiter wandern kommt so langsam auch die Wärme zurück. Die ganz große Tour nehmen wir heute nicht in Angriff, dafür eine kleine Runde mit ein paar hundert Höhenmetern vorbei an kleinen (Stau-)Seen.

Auf der Rückfahrt machen wir noch einen kurzen Stopp beim „Häusl am Stoan“. Die Geschichte des Hauses ist ein wenig tragisch, aber doch auch mit einem Quentchen Glück versehen: Vor etlichen Jahrzehnten gab es eine Sturzflut im Ultental. In der Nähe von St Pankraz wurden viele Häuser die in der Nähe des eigentlich kleinen Bachs standen, von den Fluten fortgespült. Nur das Haus am Stein blieb stehen. Es war auf einem großen Felsblock gebaut, was nicht mal seine Bewohner wussten. Und so steht es heute immer noch da (und ist auch immer noch bewohnt).

Den Tag wollen wir mit einem gemütlichen Spaziergang am Algunder Waalweg ausklingen lassen. Eine ähnliche Runde sind wir vor einigen Jahren schon einmal gelaufen. Beginnend in Dort Tirol, vorbei am Schloss Tirol bis kurz vor Vellau und dann auf dem Waalweg zurück.
Ohne viel Nachdenkens fahren wir also nach Dorf Tirol, machen uns über die zu erwartenden Höhenmeter mehr oder weniger Gedanken und laufen los. Nachdem es doch etwas mehr Höhenmeter sind, genießen wir zuerst die Aussicht auf der Höhe von Schloss Tirol, laufen dann über einen Kreuzweg durch den Wald nach unten zum Algunder Waalweg … und stellen dann fest, dass Dorf Tirol nun ziemlich weit oben liegt. Und wir ja wieder zurück müssen. So fällt der Abschnitt am Waalweg eher kurz aus, da wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Auto sein wollen. So wurde es eher eine Runde rund um Dorf Tirol … und den Waalweg schieben wir vielleicht auf einen der nächsten Tage.

  Goldene Lärchen im Engadin Herbstsonne auf der Seiseralm