Ein Wochenende im Appenzeller Land

Wanderung auf die Ebenalp zum Aescher Wildkirchli

Morgens um 8 Uhr auf einem Wanderparkplatz im Appenzeller Land. Es ist schon recht trubelig. Vor den Parkautomaten bilden sich lange Schlangen, der Run auf die letzten Parkplätze hat begonnen. Zugegeben, es ist nicht irgendein x-beliebiger Parkplatz in Appenzell. Es ist der Parkplatz neben der Seilbahn, die hoch zur Ebenalp fährt, zum Wildkirchli und vor allem zum Beizli Aescher. Jener Berghütte, die 2015 auf dem Cover eines National Geographic-Buchs mit dem verheißungsvollen Titel „Destinations of a Lifetime“ stand. Nach dem Erscheinen des Buchs wurde die Hütte zur Berühmtheit, bald darauf wurde sie von Instagram „entdeckt“ und dementsprechend war in der Zeit danach der Ansturm zur Hütte. Über die Jahre kamen immer mehr Wanderer und es ist sehr spannend Interviews der damaligen Hüttenwirte im Verlauf der Zeit zu lesen.

Wir wollen die aktuell immer noch vorhandenen internationalen Reisebeschränkungen nutzen und von Wasserauen auf die Ebenalp hoch wandern, in der Hoffnung einen entspannten Tag am Berg zu erleben. Vom Parkplatz bis zum höchsten Punkt sind es gute 850 Höhenmeter und knapp 20 km Streckenlänge mit ein paar Umwegen und Schlenkern. Die meisten Wanderer gehen vom Parkplatz direkt Richtung Seilbahn. Wir suchen den Waldweg der hoch zum Seealpsee führt. In Kehren führt er entlang am Wasserfall und so früh am Morgen liegt er noch im Schatten, was in Anbetracht der Steigung sehr angenehm ist.

Nach einer guten Stunde kommen wir am Seealpsee an. Der See liegt noch komplett spiegelglatt vor uns. Es geht kein Wind, kein Boot ist auf dem See unterwegs, nicht einmal eine Ente stört die perfekt spiegelnde Wasseroberfläche. Im klaren Wasser des Sees sieht man das Spiegelbild des Säntis und der umliegenden Berge. Die Bergspitzen werden schon von der Sonne angestrahlt, der See selbst liegt noch friedlich im Schatten. Wir stehen am Ufer und genießen den Ausblick. Zu dem Zeitpunkt sind auch noch fast keine Menschen hier oben. Bis auf Lennart und seine Familie. Lennart dürfte ungefähr 6 – 7 Jahre alt sein, sehr aktiv und liebt es, Steine in’s Wasser zu werfen. Er macht dies sehr ausdauernd. Kleine Steine, mittlere Steine, große Steine. Wobei er nur mit den kleineren Steinen in unsere Richtung wirft. Und er findet’s voll toll, dass es Wellen auf dem See gibt. Nun ja, in dieser Sache kann man durchaus geteilter Meinung sein. Mit etwas Wohlwollen könnte man noch meinen, es ist Physik zum Anfassen.
Die Spiegelung der gegenüberliegenden Berge verschwimmt etwas. Wir warten kurz, ob sich die Oberfläche des Sees wieder beruhigt, allerdings können Wellen sehr ausdauernd sein. Jedenfalls wollen wir sowieso weiter. Es liegen noch eineinhalb Stunden Aufstieg zum Aescher vor uns.

Der Weg zweigt kurz nach dem Seealpsee ab und ein schmaler Pfad windet sich hoch zur Ebenalp. Die Ausblicke auf den Alpstein mit dem Hohen Kasten sind schon sehr reizvoll, wobei der Steig an sich wohl keinen Schönheitspreis gewinnen wird. Und ein Premiumwanderweg wird er wohl nicht mehr werden. Wobei er dies vermutlich auch nicht nötig hat. Jedenfalls freuen sich unsere Füße als die Stufen und Steine ein Ende haben und wir nun auf einem ebenen, ausgetramptelten Pfad auf den letzten Metern zum Aescher sind. Die Sonne scheint, es sind ein paar leichte Wolken am Himmel, wir sind sogar noch rechtzeitig oben sodass die Sonne gerade noch richtig steht für das passende Licht. Jetzt muss man nur noch einen passenden Moment für’s Foto erwischen, in dem keine Menschen vor der Hütte stehen, dort in bester Lage in Wanderkarten nach dem Weg suchen, ihre Brote auspacken … oder Selfies machen. Mit etwas Geduld gelingen uns ein paar schöne Bilder. Zugegeben, man kann schon verstehen, dass diese Hütte eine gewisse Faszination ausübt. Ob ihr das auf Dauer gut tun wird, steht in den Sternen. Und Sterne soll es heute Nacht noch genügend geben. Aber dazu später mehr.

Wir verlassen den Trubel recht schnell wieder, wandern am Wildkirchli vorbei weiter zur Ebenalp, genießen die Ausblicke von oben, überlegen uns kurz ob die Schäfler-Hütte heute noch eine Option wäre (wobei es dafür doch schon etwas zu spät ist) und machen uns dann wieder auf den Weg nach unten. Nachdem wir heute morgen den Seealpsee recht schnell wieder verlassen haben nehmen wir jetzt die Runde um den Seealpsee noch mit. Wobei es kein Vergleich ist zur Ruhe und zum Licht des Morgens (bis Lennart das Seeufer betreten hatte).

Die Milchstraße über dem Alpstein

Abends steht die Zeit wieder günstig für die Milchstraße. Der Himmel ist klar, die Temperaturen sind angenehm und es ist fast Neumond. Perfekte Bedingungen also, um nach dem Sonnenuntergang nochmals nach draußen zu gehen. Und da die Berge im Alpstein bei Tag schon recht beeindruckend waren, taugen sie nachts als Vordergrund für die Milchstraße sicherlich auch ganz gut. Ende August, Anfang September steht die Milchstraße noch schön hoch am Firmament und das Meer an Sternen kommt wunderbar zur Geltung. Im Tal leuchten vereinzelte Ortschaften oder Bauernhöfe und in der Ferne kann man die rot leuchtende Spitze des Säntis erkennen.

Im Appenzeller Land

Nach der Tour vom Vortag beschließen wir, den Sonntag etwas gemütlicher anzugehen. Morgens, bevor die Stadt richtig erwacht, schlendern wir durch St. Gallen, fahren anschließend auf kurvigen Nebenstraßen durch’s Appenzeller Land (mit einem Zwischenstopp in Appenzell und einem super leckeren Brot aus einer hießigen Bäckerei) und landen schließlich wieder einmal am Bodensee. Zur Abwechslung allerdings dieses Mal auf der schweizer Seite des Sees.

Die schweizer Seite des Bodensees

Von Romanshorn aus schlendern wir ein wenig durch den Hafen und laufen anschließend ein wenig am Seeufer entlang. Vor Rohrschach legen wir uns ganz faul auf eine Wiese am See und kucken den Wolken beim Vorbeiziehen und den Leuten beim Spazieren gehen zu. Nach einer ausgiebigen Pause geht’s weiter Richtung Österreich. Nachdem der gestrige Abend schon so sternenreich war und das Wetter aktuell noch ziemlich gut aussieht, fahren wir im Sonnenuntergang hoch auf den Pfänderrücken und halten Ausschau nach Sternenplätzen für die Nacht. Glücklich damit, einen schönen Platz für die Nacht gefunden zu haben, geht’s wieder hinunter an den See um (fast schon traditionell) in Lindau auf der Insel zu Abend zu essen. Auf dem Weg nach Lindau finden wir zufällig noch einen traumhaften Picknick-Platz mit Blick auf den Bodensee, von dem aus man der Sonne beim Untergehen zusehen kann. In Ermangelung eines Picknicks bleibt uns heute allerdings nichts anderes übrig, als in einem Restaurant zu essen und auf die Nacht zu warten. Es gibt durchaus Schlimmeres.

Nachtrag: Sternenmeer am Pfänderrücken

Während wir gemütlich beim Abendessen sitzen, zieht leichter Nebel auf. Vom See aus sind im Westen nicht mehr viele Sterne zu erkennen. Die Wolken, die dem Sonnenuntergang etwas Dramatik und Charme verliehen haben, sind wohl weiter her gezogen und vernebeln nun ein wenig die Sicht nach oben. Für heute wird es nichts mehr werden mit Nachtbildern. Aber den Platz, den wir gefunden haben, merken wir uns auf jeden Fall.

Denn keine zwei Tage später ist der Tag sonnig und die Nacht sternenklar. Wir fahren nochmals auf den Pfänderrücken. Es ist ein wenig hell, weil die Städte und Orte rund um den Bodensee stark leuchten, aber trotzdem ist es ein schöner Platz um in die Sterne zu kucken

  Schneefall im Sommer