Robben in Rostock

Morgens, 10 Uhr, Yachthafen Hohe Düne in Rostock. Der Wetterbericht hatte leider recht. Die Wolken hängen tief und es regnet. Es ist diese Art von deinem Regen, der im ersten Moment nicht wirklich störend ist, der aber auf Dauer und angereichert mit ein kräftigem Wind auch sehr nass sein kann. Irgendwie passt das dann aber auch zu unserem ersten Ziel für heute.

Wir sind auf dem Weg zum Robbenforschungs-Zentrum (Marine Science Center) der Universität Rostock. Das Zentrum liegt im Yachthafen weiter draußen und ist an einer Mole festgemacht. Hier wird Grundlagenforschung mit Robben betrieben. Es wird mit verschiedenen Tests vor allem das Hör- und Sehvermögen der Tiere erforscht.

In den verschieden großen Becken tummeln sich 12 Robben, alle männlich. Ist wohl einfacher in der Handhabung für Forschungszwecke, lernen wir in der guten dreiviertel Stunde, die wir dort sind. Es ist faszinierend zu sehen, wie lernfähig die Tiere sind und wir haben auch kurz die Gelegenheit bei einem Test zuzusehen. Eine Robbe wird darauf trainiert Punkte auf einer Fläche zu erkennen um später daraus Erkenntnisse für die räumliche Wahrnehmung abzuleiten. In der Forschungsstation arbeiten hauptsächlich Studenten und Doktoranden, die ihre Masterarbeit oder Promotion zu dem Thema schreiben.

Ab und zu schauen auch frei lebende Robben hier im Hafenbecken vorbei und spielen „Zaungast“ auf den schwimmenden Pontons. Robbenbänke, wie man sie von der Nordsee kennt scheint es aber an der Ostsee nicht zu geben. Um frei lebende Robben zu treffen braucht es deswegen eine gehörige Portion Glück.

Seit Kurzem sind auch vier Humboldt Pinguine in das Forschungszentrum eingezogen. Wir lernen das jeder Pinguin seinen „Best Buddy“ braucht und aus diesem Grund immer eine gerade Anzahl an Pinguinen gehalten werden soll. Zusätzlich müssen es mindestens vier Tiere sein, da Pinguine gerne in Gruppen leben und sich zu zweit auf Dauer wohl auch etwas langweilen.

Später setzen wir mit der Fähre nach Warnemünde über, dem Seebad vor den Toren Rostocks. Der Ort an der Hafeneinfahrt zu Rostock ist beschaulich, ein kleiner Leuchtturm, ein paar Gassen und ein breiter Strand. Und natürlich Fisch vom Kutter: unser heutiges Mittagessen, das wir gegen die Angriffe großer Möven verteidigen müssen.

Mittlerweile ist aus dem Regen ein diesiger, feiner Nieselregen geworden. Und da wir schon einmal hier sind, bummeln wir noch etwas durch die Altstadt von Rostock. Am Hafen merkt man die Vergangenheit der Hanse. Große Speicherhäuser wurden frisch renoviert und sind nun schicke Büro- oder Wohnhäuser. Den Reichtum aus früheren Zeiten sieht man auch an den Kirchen und Gebäuden in der Altstadt. Wir fühlen uns ein wenig an unseren letzten Besuch vor ein paar Monaten in Lübeck erinnert. Auch dort sind wir bei Nieselregen durch eine Hansestadt spaziert. Gewisse Parallelen sind schon zu erkennen, wobei uns Lübeck dann doch einen Tick besser gefallen hat.

Auf dem Weg zurück zu unserem Appartment halten wir noch kurz in Ahrenshoop. Der Regen hat mittlerweile fast aufgehört, allerdings hat nun die Dämmerung schon eingesetzt und es wird bald dunkel werden. Zu spät für einen ausgedehnten Spaziergang am Weststrand und so schauen wir nur kurz hinunter auf den Strand und hoffen, dass wir in den nächsten Tagen noch unsere geplante Wanderung entlang des Steilufers zwischen Ahrenshoop und Wustrow machen können. Wir sind schon gespannt auf den Wetterbericht für morgen.

  Leise rieselt ... das Laub im Nationalpark Jasmund Sonne am Weststrand