„Wünsch‘ dir was“ am Sternenhimmel

Der nächtliche Sternenhimmel hat uns schon immer fasziniert. Auf vielen unserer Reisen haben wir uns in mehr oder weniger kalten und windigen Neumondnächten hinaus in’s Dunkel gestellt, haben den Kopf in den Nacken gelegt und nach oben in die Sterne geschaut. Es wurden häufig einige der schönsten Urlaubserinnerungen. Sei es in der Wüste Utahs (wo wir das mit den Neumondnächten noch nicht so richtig im Griff hatten und uns gewundert haben, warum um alles in der Welt kurz nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich der Vollmond aufgeht), in einem auf einem Hochplateau gelegenen Dark Sky Reserve auf Neuseelands Südinsel (wo die Nacht mal richtig dunkel ist) oder, und das waren bisher die mit Abstand eindrücklichsten nächtlichen Erlebnisse, im Winter bei den Polarlichten auf den Lofoten. Es sind jedes Mal sehr coole Erlebnisse mit traumhaften Bildern, die wir dabei mitgenommen haben.

Aber hier in Deutschland nachts rausgehen, mit Kamera und in den Himmel kucken? Und fotografieren? Vielleicht sogar noch über 100 Kilometer zu fahren um dort zu sein, wo der Sternenhimmel so richtig voll ist? Was im Urlaub ja schon auch hin und wieder mal passiert ist … Das alles hatten wir bisher gar nicht so auf dem Schirm. Aber nachdem das mit dem fernen Reisen im Jahr 2020 so eine Sache ist haben wir uns eines sonnigen Tages nachmittags in’s Auto gesetzt und sind Richtung Bodensee losgefahren. Bei Tag sind wir noch hoch auf den Pfänder, wegen der schönen Aussicht und um schon mal ein paar potentielle Spots für die Nacht zu sichten. Nachdem bis zur Dunkelheit noch ein bisschen Zeit war sind wir wieder hinunter nach Bregenz gefahren um dort am Ufer des Bodensees den Abend zu verbringen. Den Sonnenuntergang haben wir am Eichenberg genossen. Von hier hat man einen der besten Ausblicke auf den Bodensee (und selten hat ein Restaurant mit dem Namen „Schönblick“ diesen so verdient wie jenes in Eichenberg). In der Ferne das Schweizer Ufer mit den kleinen Ortschaften, die sich die Hänge hinauf ziehen, direkt vor uns auf deutscher Seite im See die Insel Lindau. Und die Sonne meint es an diesem Abend gut mit uns (wo wir ansonsten ja nicht so die Sonnenuntergangsfotografierer sind).

Dann wird es so langsam dunkel. Die ersten Sterne kommen raus und wir machen uns auf den Weg zurück auf den Pfänderrücken. Dieser ist vom Bodensee abgewandt und die Lichter der Städte und Orte rund um den Bodensee sind hier nicht mehr zusehen und strahlen auch nicht mehr so stark ab. In der Ferne sehen wir vereinzelt Lichter von Bergdörfern, die Silhouetten der Allgäuer Alpen sind noch zu erkennen und über uns … Millionen von Sternen (sehr subjektive Schätzung) und im Südosten betritt die Milchstraße gemächlich die Bühne des Nachthimmels. Da es Mitte August ist, kommen hin und wieder noch ein paar Sternschnuppen der Perseiden in’s Bild geflogen. Eine traumhafte Kombination.

Nachdem wir eine Weile dort gestanden haben und unser Glück kaum fassen konnten (und uns ganz routiniert bei jeder einzelnen Sternschnuppe noch etwas gewünscht haben) sind wir wieder hinunter an den See gefahren, nach Wasserburg. Der Landungssteg, an dem tagsüber die Bodenseeschiffe festmachen, ragt weit in den See hinein. Mittlerweile sind leichte Wolken aufgezogen, sodass der Horizont etwas im Dunst liegt. Aber die Sterne sind noch gut sichtbar und die Lichter des gegenüberliegenden Schweizer Ufers, zusammen mit den Spiegelungen im See, dem Sternenzelt darüber und den langsam dahin ziehenden Wolken sorgen für wunderprächtige Bilder.

Auf dem etwas längeren Heimweg haben wir dann gleich Pläne geschmiedet, wo es am nächsten Wochenende hingehen könnte. Dann wird Neumond sein, die Nacht noch ein wenig dunkler und voraussichtlich sternenklar …

Milchstraße und Sternschnuppen im Allgäu

Das Ziel waren dann wieder die Berge. Dieses mal ging es Richtung Kempten / Oberstdorf. Die Bedingungen sind nahezu perfekt. Den ganzen Tag über strahlte schon die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, es hatte an die 30° und somit steht uns eine laue Sommernacht bevor. Mit Joe, dem Local, machen wir uns so gegen 22 Uhr auf den Weg zu unserem ersten Aussichtspunkt. Vom Stoffelberg aus öffnet sich der Blick Richtung Grünten und Oberstdorf, am Horizont die nördlichen Ausläufer der Alpen und die Milchstraße steht schon leicht diagonal über den Lichtern der Städte und Ortschaften. Von Westen her kommen schon paar Wolken, die zwar die Milchstraße nach und nach verdecken, aber dem Himmel spannende Strukturen gaben. Und die Wolken bleiben zum Glück nicht allzu lange.

Ein paar Kilometer weiter und ein paar Meter höher ist der Himmel wieder wolkenlos. Die Luft trocken und klar. Und immer mal wieder fallen Sternschnuppen der Perseiden glühend in die Atmosphäre. Wir haben noch selten so viele Sterne auf einmal gesehen. Die Milchstraße steht mittlerweile senkrecht am Firmament und wir können ihr Zentrum schon recht gut erkennen. Die schiere Anzahl der Sterne und Planeten ist schlichtweg beeindruckend. Und wir wollten eigentlich gar nicht mehr weg, von diesem wunderbaren Ort.

  Neuseeland - Ein Bildband über einen unvergleichlichen Roadtrip Über den Furka Pass zum Grimsel Pass