Am Ende doch noch ein Waalweg

Der Kurztrip nach Südtirol ist nun fast schon wieder vorbei. Das Wetter steht auch eher auf Abschied. Die Herbstsonne der letzten Tage versteckt sich heute Morgen hinter dicken Wolken. Nur ab und zu lässt sich erahnen, wo die Sonne gerade steht. Und im Rosengarten hatte es heute Nacht knapp über 5 Grad. Für uns an diesem Wochenende zu kalt für eine entspannte Wanderung. Wo wir doch die letzten Tage von der Sonne ziemlich verwöhnt wurden. So entscheiden wir uns spontan vor der Rückfahrt noch eine kurze Wanderung in der Nähe von Naturns an Waalwegen zu machen und dann über das Val Mustair und den Schweizer Nationalpark nach Hause zu fahren.

Bei Tschars beginnt ein Rundweg über den Schnalser und Stabener Waalweg, genau das Richtige für einen Fahrtag wie heute. Als wir in Tschars an der Kirche und dem Friedhof vorbei kommen findet dort gerade im Freien die Messe zu Allerheiligen statt. Kirchgänger laufen in schicken Kleidern, zum Teil auch in Tracht, die kleinen Straßen in Tschars hoch zur Kirche um noch rechtzeitig zur Messe zu kommen. Nachdem wir an der Kirche vorbei sind wird es leerer auf den Straßen. Eine ganze Weile sind wir allein auf dem Waalweg und genießen die Ruhe. Das Wetter sorgt für eine gedrückte Stimmung und mit den dicken Wolken passt es auch irgendwie zum 1. November. Die Waalwege führen zu dieser Jahreszeit kein Wasser mehr. Werden die kleinen, künstlich angelegten Wasserläufe im Frühjahr und im Sommer zur Bewässerung genutzt, wird mit dem Wasser im Herbst und Winter sehr sparsam umgegangen. Die Bäume auf den Apfelplantagen sind größtenteils abgeerntet und auch die Weinlese ist schon seit einigen Wochen vorbei. Die Blätter der Reben sind schon herbstlich gelb gefärbt und geben einen schönen Kontrast zu den grünen Obstplantagen und den weißen Bergspitzen.

Von den Waalwegen gibt es immer wieder Aussichtspunkte, an denen man das Vinschgau von oben betrachten kann. Die gleichförmigen Muster der Apfelplantagen im Tal wirken ein wenig wie abstrakte Kunst. An den Bergflanken gegenüber stehen vereinzelte gelb gefärbte Lärchen im Wald. Und weiter im Westen sind noch die Berge zu erkennen, wo die Passstraße zum Stilfser Joch abzweigt. Als wir und Schloss Juval nähern, eines der Schlösser von Reinhold Messner, welches auch ein Messner Mountain Museum beherbergt, ist auf den Wanderwegen so langsam mehr los. Für ein kurzes Stück nehmen wir den Weg zurück in’s Tal, der auch zum Parkplatz des Museums führt, biegen dann aber wieder auf einen Waalweg ab, der uns zurück zum Ausgangspunkt bringen wird. Größtenteils verläuft der Rückweg durch lichten Wald, erst am Ende öffnet sich der Weg wieder, verläuft am Ende noch durch Weinreben und vorbei an Obstbäumen, bis wir schließlich wieder zurück in Tschars ankommen.

Mit einem guten Gefühl steigen wir in’s Auto und machen uns auf den Heimweg. Die letzten Tage sind wir über 50km gewandert und haben dabei auch ein paar Höhenmeter hinter uns gebracht. Nun genießen wir die Heimfahrt, auch wenn das Wetter erst mal noch ein wenig mehr zumacht. Unser nächster Zwischenstopp ist das Val Mustair. Hier sind wir im letzten Sommer bereits gewesen und waren beeindruckt von der Landschaft. Viel Zeit haben wir heute nicht mitgebracht, aber es reicht für einen kurzen Abstecher auf den Umbrail-Pass, einer unserer liebsten Pässe in der Schweiz. Wenn man den Pass bis zum Ende fährt kommt man hoch zum Stilfser Joch. Soweit wollen wir heute nicht fahren. Uns zieht es spontan zu einem Aussichtspunkt hoch über dem Tal, aber noch im Wald. Die Lärchen, mal wieder. Und von oben wirkt es noch ein wenig schöner / herbstlicher / ungewöhnlicher.

Nach einer kurzen Pause (vorgegeben durch die Akku-Laufzeit der Drohne) fahren wir weiter hinein in das Val Mustair. Über den Ofenpass gelangen wir in den Schweizer Nationalpark. Auch hier eine sehr beeindruckende Landschaft. Vorbei an Zernez mit dem Nationalpark Zentrum nehmen wir noch einen letzten Pass unter die Räder. Der Flüelapass führt über knapp 2.400 m hinüber nach Davos. Je mehr wir an Höhe gewinnen, desto karger wird die Landschaft. Wir sind immer gern geneigt zu sagen: „Das sieht aus wie in Norwegen“. Und ja, es sieht auch irgendwie aus wie in Norwegen, aber uns gefällt einfach diese Kargheit in der Landschaft. Jetzt im Herbst ist noch dazu alles in Gelb- und Brauntöne getaucht. Wir genießen kurz das Panorama von der Passhöhe und machen uns dann auf den Weg nach Davos und Klosters. Als wir in Chur auf die Autobahn kommen ist es schon Dunkel geworden, obwohl es noch nicht einmal 6 Uhr ist. Die Zeitumstellung hat uns zwar eine Stunde mehr Urlaub geschenkt, dafür wird es aber auch schon ungewohnt früh dunkel … was aber auch irgendwie gemütlich ist …

  Lärchen auf dem Saltener Hochplateau