Stille Pfade im Allgäu | Teil 1

Die letzten Jahre haben wir uns zum Jahresende hin, wenn es Winter wurde, immer wieder gefragt, warum wir es eigentlich dieses Jahr nicht häufiger in die Berge geschafft haben. Wo sie doch eigentlich gar nicht so weit weg sind und wir ja auch gerne viel draußen in der Natur unterwegs sind. Statt dessen waren wir wandern auf der Südinsel Neuseelands, im Regen auf den Faröer Inseln oder in den japanischen Alpen. Aber im Allgäu waren wir eher relativ selten unterwegs. Bis zu diesem Jahr. In diesem Jahr ist ja so einiges anders.

Sobald der erste Covid-19-Lockdown im Frühjahr vorbei war, zu einer Zeit in der wir noch um die Rückerstattung unserer Flüge nach Vancouver gebangt haben, sind wir sofort wieder raus in die Natur, sobald es möglich war. An ferne Reisen war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Also sind wir in die Berge gefahren und haben uns dort eher die abgelegeneren Routen ausgesucht. Fernab der Touristenströme, wie man sie im Sommer allzu häufig rund um Oberstdorf, im Kleinwalsertal oder in Füssen erlebt.
Es war gar nicht so einfach, aber wenn man ein wenig danach sucht, findet man sie selbst im Allgäu noch: Touren, die noch nicht überlaufen sind und Hütten in denen man nicht dicht gedrängt sitzt. Wir waren auf der Reuter Wanne bei Jungholz, sind auf alternativen Pfaden hoch auf’s Wertacher Hörnle und haben die Gegend rund um den Imberg bei Oberstaufen erkundet. Neben den Wanderungen bei Tag waren wir auch die eine oder andere Nacht im Allgäu unterwegs. Auf der Suche nach dunklen Orten, ohne viel Licht aber mit viel Aussicht auf den Sternenhimmel und die Milchstraße. Wo die Polarlichter ja gerade unerreichbar weit weg sind war die Milchstraße ein willkommenes Ziel für nächtliche Ausflüge.

Im ersten Teil der Serie geht’s auf den Imberg bei Oberstaufen und rund um den Weißensee

Rund um den Imberg, Oberstaufen

Wenn wir im Allgäu unterwegs waren, dann meistens eher Richtung Oberstdorf und Füssen. Oberstaufen hatten wir bisher irgendwie immer links liegen gelassen. Das hatte keinen speziellen Grund, es hat irgendwie nie so richtig gepasst. Deswegen wollten wir’s uns jetzt mal genauer ansehen. Die Gegend um den Imberg wollten wir dabei zuerst erwandern. Von der Talstation der Imbergbahn ging es entlang der Skipiste hoch bis zum Imberghaus, von dort weiter durch saftige Blumenwiesen. Klingt jetzt vielleicht etwas kitschig, aber es war Frühsommer und die Wiesen waren wirklich voll von Wildblumen. Die letzten Jahre sind wir zu dieser Jahreszeit meist im hohen Norden unterwegs gewesen. Da kann man sich über eine Blumenwiese in den Bergen schon einmal freuen.

Nach dem Imberghaus wurden die Wanderer gleich viel weniger. Die Pfade ruhiger und schmaler. In einem weiten Bogen ging es um den Imberg herum. Nach gut drei Stunden kommen wir an einem Wegweiser zu den Buchenegger Wasserfällen vorbei. Auch ein Ziel, welches wir schon lange auf unserer Liste haben. Die Gelegenheit wollten wir natürlich nutzen. Das Wetter war top und vielleicht kann man ja die müden Füße noch ein wenig in’s kühle Wasser hängen. Nun ja, beim nächsten mal vielleicht. Als wir unten an den Wasserfällen angekommen sind herrschte dort eher eine Stimmung wie im Freibad. Von Ruhe und Entspannung war nicht mehr viel zu spüren. Die ruhigen Pfade, die wir gesucht hatten, haben wir beim Abzweig zu den Wasserfällen wohl hinter uns gelassen. Die Wasserfälle sind wunderschön, aber vermutlich kommen wir nochmals her, wenn’s ein wenig ruhiger ist. Über den Golfplatz von Steibis geht’s wieder zurück zum Auto. Und weil’s uns hier so gut gefallen hat, beschließen wir gleich, am nächsten Wochenende nochmals zu kommen.

Dieses mal für eine kleine Runde zum Dreiländer-Blick. Der Charakter der Wanderung war ähnlich der Imberg-Runde. Ein paar Höhenmeter weniger, dafür ein paar Kilometer länger. Und der Dreiländerblick hatte zu den Zeiten eine ganz besondere Note: Man blickte hinüber in den Bregenzer Wald nach Österreich und im Hintergrund sah man den schneenedeckten Säntis in der Schweiz. Was in „normalen“ Zeiten keine Erwähnung wert wäre, hatte zu dieser Zeit doch die Besonderheit, dass die Grenzen so gut wie geschlossen waren. Zum Wandern einfach mal in den Bregenzer Wald zu fahren war nicht drin. Zum Schoki kaufen in die Schweiz ebenso wenig. Und so genossen wir den Blick auf die bewaldeten Hügel und Berge im ach so fernen Österreich, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück nach Oberstaufen machten. Natürlich durch saftige Blumenwiesen.

Tourdaten:
Imberg-Runde: ca. 450 hm, 9,5 km, 4,5 h
Dreiländerblick: ca. 280 hm, 10 km, 3,5 h

Weißensee & Alatsee, Füssen

Für eine „richtige“ Wanderung sind wir an diesem Tag schon ein bisschen zu spät losgekommen. Wir wollten aber doch noch in die Berge fahren. Die Sonne schien an diesem Tag im Spätherbst von einem strahlend blauen Himmel und die Nacht davor hatte es in den Bergen den ersten Schnee des Jahres gegeben. Perfekte Zutaten für ein paar schöne Bilder. Wir suchten nach einem See um den wir laufen könnten und sind wieder einmal beim Alatsee gelandet. Dieser steht schon seit längerer Zeit auf unserer Liste. Dort wo die Straße zum Alatsee abzweigt liegt der Weißensee malerisch vor der Kulisse der Allgäuer Alpen.

Der Weg rund um den Weißensee ist ein schöner Spaziergang, auf der Südseite geht es für eine kurze Strecke über einen gut befestigten Pfad zum Teil direkt am Wasser entlang. An einer besonders schönen Engstelle wird auf einer Schautafel erklärt, wie in den 60er Jahren der Weg angelegt wurde und wie sie mit einem VW-Käfer die Baumaterialien über den zugefrorenen See transportiert haben. Von der Westseite des Sees kann man im Frühjahr bestimmt auch die Milchstraße gut fotografieren. Den Spot werden wir uns jedenfalls mal merken.

Um den Alatsee ranken sich etliche Mythen und Geschichten. Er liegt jedenfalls schön eingebettet zwischen den Bergen und ist eine schöne Ergänzung zur Wanderung um den Weißensee. Mit etwas mehr Zeit im Gepäck kann man die Runde noch erweitern um den Aufstieg zur Salober Alm. Von dort soll es einen Vier-Seen-Blick geben. Vier Seen klingen ja schon mal sehr vielversprechend. Den werden wir uns sicherlich im nächsten Frühjahr oder Sommer mal ansehen.

Tourdaten: Für beide Seen: ca. 190 hm, 10 km, 3,5 h

Im zweiten Teil der Serie geht es in die Gegend um Wertach und Bad Hindelang. Wir wandern über einen ruhigen Weg auf das Wertacher Hörnle und genießen den Ausblick von der Reuter Wanne.
  Nachts im Allgäu Das war 2020 - Die Schönheit der Heimat